Vom Selfpublisher zum Bestseller: Mein erster Messebesuch

Shownotes

www.kalpenstein.de

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00:00:01: In den letzten zwölf Monaten wurde ich immer wieder gefragt, Friedrich, warum machst du denn eigentlich keinen Podcast und erzählst von deinem Autorenleben?

00:00:09: Jetzt ist er da, der Podcast.

00:00:11: Und ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Zuhören.

00:00:37: Mein Name ist Friedrich Kalpenstein.

00:00:40: Ich bin Autor der Herbert-, der Prost- und auch der Salute-Reihe und habe mittlerweile weit über eine Million Bücher verkauft.

00:00:52: Das Ganze wäre aber nicht möglich

00:00:54: ohne meine vielen Leserinnen und Leser.

00:00:57: An dieser Stelle sei gesagt: Vielen herzlichen Dank, dass ihr mir nun schon seit über zehn Jahren folgt.

00:01:03: Meine Geschichten lest, daran Spaß habt und das bereitet natürlich mir auch doppelt so großen Spaß beim Schreiben.

00:01:12: Jetzt hat mein Podcast endlich das Licht der Welt erblickt und da habe ich mir natürlich die Frage gestellt, über was soll ich denn mit euch Reden.

00:01:21: Also in erster Linie wird es natürlich um meine Autorentätigkeit gehen, wie ich schreibe, was ich schreibe, was ich vielleicht in Zukunft vorhabe, wie ich meine Figuren entwickle.

00:01:34: Was bei meinen Lesungen auch immer für Heiterkeit sorgt, das ist, wenn ich so meine kleinen Geschichten erzähle, von meinen Erlebnissen, wenn ich meinen Schreibtisch verlasse und hinaus in die große, weite Welt gehe.

00:01:47: Und da dachte ich mir, in der ersten Folge erzähle ich euch am besten von meinem allerersten Besuch auf der Frankfurter Buchmesse.

00:02:00: Ich hatte gerade meinen allerersten Roman

00:02:03: "Ich bin Single Kalimera"

00:02:05: als Selfpublisher veröffentlicht.

00:02:07: Ja und dann war natürlich der nächste logische Schritt für meine Frau und mich, dass wir zur Frankfurter Buchmesse fahren.

00:02:14: Unser großes Ziel: Wir finden einen Verlag.

00:02:18: Jetzt achtet man natürlich auch ein bisschen auf sein Äußeres.

00:02:22: Und ich habe damals, wenn ich im Fernsehen irgendwelchen Talkshows oder Gesprächsrunden ein Autor gesehen habe, dann hatten die meisten einen Schal.

00:02:31: Also dachte ich mir, den brauche ich auch.

00:02:34: Frankfurter Buchmesse, wir kommen.

00:02:37: Endlich war der Tag X da.

00:02:38: Wir haben noch ein paar Unterlagen zusammengepackt und dann sind wir drei losgefahren.

00:02:43: Meine Frau, ich und mein Schal.

00:02:48: Als wir angekommen sind, war das natürlich für uns sehr beeindruckend in diesen Hallen, die ganzen großen Verlagsstände...

00:02:56: Für uns war klar, hier sind wir genau richtig.

00:02:59: Jetzt haben wir uns natürlich schon im Vorfeld im Internet schlau gemacht, dass es dort auf der Buchmesse einen Literary Agents und Scouts Center gibt.

00:03:09: Und mit meinem damaligen jugendlichen Leichtsein dachte ich mir natürlich, ja, da gehe ich hin und dann suche ich mir so eine Literary Agent aus und der bringt mich dann mit einem Verlag zusammen.

00:03:20: Jetzt hatten wir ja schon im Vorfeld um die zwanzig Kuverts gepackt. Darin enthalten: Exposé, Leseprobe von Ich bin Single, Kalimera und ein Autorensteckbrief.

00:03:31: Und ich weiß bis heute nicht, was mich damals zu der Annahme gebracht hat, dass man da einfach so hingehen kann.

00:03:38: Ich sag zu meiner Frau noch, weißt du was, wir teilen uns auf, ich gehe die linke Reihe durch die rechte Reihe und dann tauschen wir uns Mittag aus, dann schauen wir weiter.

00:03:48: Wir kommen in den Literary Agents und Scouts Center an.

00:03:53: Eine nette Dame kommt uns mit einem Klemmbrett entgegen und fragt: "Guten Tag, was kann ich für sie tun?"

00:03:58: Ich sage, mein Name ist Friedrich Kalpenstein, ich würde mich gerne bei einem Agenten oder einer Agentin vorstellen und sie sagt: "Haben Sie einen Termin?"

00:04:07: Ich: Nein.

00:04:08: Und im Prinzip war es das dann eigentlich schon.

00:04:18: Ganz ehrlich, ab dem Zeitpunkt, als diese nette Dame das Wort Termin ausgesprochen hatte, fiel es mir natürlich wie Schuppen von den Augen.

00:04:28: Ja klar, Termin.

00:04:31: Sie war dann auch total nett und hat uns danach aufgekehrt, wie das normalerweise läuft, dass man im Vorfeld schon einen Termin vereinbart.

00:04:37: Dann haben wir uns umgedreht und sind mit gesenktem Haupt wieder gegangen.

00:04:44: Übrigens, mein Schal war zu diesem Zeitpunkt längst in der Tasche, weil beim Betreten der ersten Halle war klar: Fehler!

00:04:52: Niemals mit einem Schal auf die Frankfurter Buchmesse.

00:04:56: Ich hab geschwitzt wie ein Schwein.

00:05:02: So schnell haben wir uns natürlich nicht unterkriegen lassen, denn es gab ja noch die vielen, vielen Verlagstände.

00:05:08: Also sind wir wieder durch die Gänge geschlendert.

00:05:11: Und ich habe dort die Leute angesprochen, habe mich vorgestellt, habe meine Unterlagen da gelassen, die haben das sehr herzlich entgegengenommen und haben mir versprochen, sie leiten diese weiter.

00:05:23: Und dann kam es zum Höhepunkt unseres ersten Messerbesuchs und zwar haben wir Rita Falk getroffen und es war so eine nette Begegnung und ich habe ja natürlich ganz stolz alles präsentiert, was ich dabei hatte,

00:05:34: und sie schaut sich diesen Ruhe alles so an und plötzlich taucht neben ihr Dora Heldt auf.

00:05:41: Und Dora Heldt schaut sich die Sachen von mir ebenfalls alles so durch und hält plötzlich meinen Autorensteckbrief in der Hand.

00:05:48: Und dann schaut sie den so ein bisschen genauer an, ich habe sie dabei beobachtet und plötzlich sagt sie, das schaut irgendwie aus wie so ein Sterbebildchen, das man auf einer Beerdigung bekommt.

00:05:59: Dann habe ich es selbst einmal drauf geschaut und dachte mir so, naja, wo sie recht hat.

00:06:03: Also ich muss dazusagen, das war so ein kleines Kärtchen und vorne drauf war mein Foto in schwarz-weiß und beim Aufklappen war eben mit schwarzer Schrift und weißem Hintergrund Name, wo ich herkomme und so.

00:06:16: Und ja, also aus heutiger Sicht, sie hatte wirklich recht damit.

00:06:25: Jedenfalls hatten wir dann auch ein paar sehr lustige und unterhaltsame Minuten mit Rita Falk und Dora Heldt und haben den Stand dann irgendwann natürlich wieder verlassen.

00:06:36: Und plötzlich geht auf der Seite des Verlagstandes eine kleine Tür auf und wer kommt raus?

00:06:42: Jussi Adler Olsen.

00:06:45: Wie versteinert bin ich stehen geblieben.

00:06:47: Er ist auch stehen geblieben.

00:06:49: Schau mich an, ich schau ihn an.

00:06:51: Er hebt kurzen Kopf zum Gruß.

00:06:53: Ich mache das gleiche und dann geht er wieder.

00:06:57: Das war so nett, weil ich habe zu meiner Frau gesagt, du, das hat sich jetzt gerade angefühlt, als ich einer mich erkannt hätte, was natürlich definitiv nicht sein kann, aber das Gefühl war schön.

00:07:11: Bevor wir dann zum Bahnhof sind, habe ich noch den Fehler begangen und habe zwei Gläser Äppelwoi getrunken und dann habe ich irgendwie nicht vertragen, ich habe dann nur einen Ausschlag bekommen und ja, ich vertrag so Apfelsaft, Birnensaft, manchmal nicht so gut

00:07:24: und hab dann auch ein bisschen im Kopf gehabt. Aber egal, weil der Tag war so schön und wir sind mit so tollen und netten Eindrücken wieder nach Hause gefahren.

00:07:34: Ja, und zu Hause angekommen ging dann natürlich die Warterei los und ich war immer noch davon überzeugt, die melden sich bei mir und ich komme zu einem Verlag und das war aber auch ganz wichtig so, weil, wenn man selbst nicht an sich glaubt, wie soll man denn dann andere Leute von dem überzeugen, was man so gerne macht?

00:07:50: Also ich bin bis heute felsenfest davon überzeugt, dass man sich da auch vielleicht ein bisschen programmieren kann und definitiv dann aber auch bei der Sache bleibt.

00:07:58: Irgendwann kamen dann auch die ersten Rückmeldungen der Verlage und es war natürlich durch die Bank alles absagen.

00:08:04: Also teilweise haben sich auch die Briefe total geähnelt.

00:08:07: Man hat es dann auch, das sieht man ja, ob jetzt wirklich das gelesen wurde oder nicht.

00:08:11: Und da waren wir dann auch klar, das bringt irgendwie überhaupt gar nichts, das einfach so irgendwo hinzuschicken ungefragt.

00:08:17: Denn auf diese Idee werden mit Sicherheit auch andere kommen.

00:08:21: Eine Absage war allerdings dabei, die war voller Kaffeeflecken und da war ich dann schon der Annahme zuerst, dass die vielleicht dann doch gelesen wurde, aber vielleicht ist sie auch nur ganz unglücklich irgendwo gelegen.

00:08:35: Ich habe mich auf jeden Fall davon nicht entmutigen lassen und habe dann den zweiten Teil meiner Herbert-Reihe begonnen, "Wie Champagner", und habe auch den dann eingestellt als Selfpublisher.

00:08:46: Was ich mir auf jeden Fall geleistet habe für beide Teile das war Lektorat und Korrektorat und das hat sich definitiv gelohnt, weil sich das natürlich dann auch ganz anders gelesen hat.

00:08:58: Und dann habe ich mich immer mehr mit dem Gedanken angefreundet, einfach Selfpublisher zu bleiben, dann kann ich alles schön selbst entscheiden und das hat sich auch sehr gut angefühlt.

00:09:07: Irgendwann klingelte bei mir in meiner Schreibwerkstatt das Telefon.

00:09:16: Dran war Verena Betz und ihr wer aufgefallen, dass ich da zwei Bücher geschrieben habe und die kämen wohl ganz gut bei den Leserinnen und Lesern an,

00:09:24: und ob ich mir den vorstellen könnte, zum Verlag zu wechseln.

00:09:28: Es gibt ein Korrektorat, Lektorat, neues Cover.

00:09:31: Ja, da gab es für mich natürlich kein Halten mehr.

00:09:35: Und mich freut es heute immer noch, wenn ich an diese Zeit zurückdenke, weil ich natürlich auch an viele Agenturen damals mein Manuskript gesandt habe und ich habe so viele Stimmen gehabt, die sagten, das kann nicht funktionieren und das ist ja gar nicht richtig mit Struktur geschrieben, das wäre wie ein Tagebuch, da ist keine Einleitung, Hauptteil, Schluss, ... wo ist der Spannungsbogen?

00:09:56: Aber "Ich bin Single Kalmera" ist bis heute eines meiner erfolgreichsten Bücher.

00:10:02: Und das hat mir gezeigt, dass am Ende des Tages die Leserinnen und Leser da draußen entscheiden, ob ein Buch gefällt.

00:10:13: Heute darf ich auf fast dreißig Romane zurückblicken, bin immer noch bei meinem ersten Verlag und habe so viel Freude am Schreiben und darf auch seit mehreren Jahren das Ganze hauptberuflich machen.

00:10:27: Aber wie schon mal erwähnt, das wäre natürlich nicht möglich, ohne meine vielen Leserinnen und Leser und den vielen Menschen, die sich um Cover kümmern, ums Lektorat, ums Korrektorat, um die Vermarktung und so weiter.

00:10:40: Und da bin ich so dankbar und an dieser Stelle nochmal vielen herzlichen Dank, dass ich das machen darf, was ich so sehr liebe, für euch Geschichten schreiben.

00:10:49: Das hat sich jetzt fast ein bisschen pathetisch angehört, oder?

00:10:52: Aber es ist so, was soll ich tun?

00:10:54: Also, was auch immer du selbst vorhast, lass dich nicht unterkriegen, bleib dran und dann klappt's bestimmt irgendwann.

00:11:02: Ja, das war es jetzt eigentlich schon mit meinem ersten Podcast.

00:11:05: Ich hoffe, es hat dir gefallen.

00:11:08: Und du kannst auch gerne an diesem Podcast mitwirken.

00:11:10: Schreib mir einfach deine Fragen, die du an mich hast oder, was dich am Schreiben so interessiert.

00:11:15: Einfach auf podcast@kalpenstein.de

00:11:18: Du findest mich auch in den sozialen Medien.

00:11:20: Eine Webseite Kalpenstein.de gibt's von mir,

00:11:22: Da kannst du die E-Mail-Adresse verbinden.

00:11:25: Einfach her damit und dann schauen wir, ob ich das irgendwann einbauen kann.

00:11:30: Vielen, vielen Dank fürs Zuhören.

00:11:32: Es hat mir riesig Spaß gemacht und ich hoffe, wir hören uns demnächst wieder.

00:11:37: Auf alle Fälle ohne Schal.

00:11:39: Seid's gut zueinander, weil wenn's wir nicht sind, wer dann.

00:11:43: Euer Friedrich.

00:11:44: Ciao!

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