Die Writers Bible: Dein Roman braucht ein Gedächtnis
Shownotes
In dieser Folge nehme ich dich mit hinter die Kulissen meines Schreiballtags und zeige dir, warum die Writers Bible das Herzstück meiner Romane ist. Ich erzähle von klassischen Fehlern, über die ich selbst gestolpert bin, und wie eine strukturierte Vorbereitung dir hilft, den Überblick zu behalten. Erfahre, wie ich Figurenkataloge, Schauplatzfotos und sogar Kaffeedetails für meine Bücher archiviere – und warum all das deine Geschichten lebendiger und konsistenter macht. Ich teile meine persönlichen Erfahrungen, gebe dir praktische Anregungen und beantworte am Ende wieder eure Fragen rund ums Schreiben. Lass dich inspirieren und starte vielleicht noch heute mit deiner eigenen Writers Bible – es lohnt sich!
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00:00:00: Klassiker bei mir, Protagonisten duzen sich zu Beginn des Romans und auf Seite achtzig sind sie dann plötzlich wieder per sie.
00:00:08: Dann wechselt eine Figur während des Romans vielleicht die Augenfarbe.
00:00:12: Bei Science Fiction ist es mit Sicherheit kein Problem und vielleicht sogar so für diese Figur gewollt.
00:00:17: Aber bei einem Roman, der mitten in München spielt, ist es eher nicht so gut.
00:00:29: Hallo und Servus, hier ist der Friedrich.
00:00:48: Ich freue mich, dass du wieder bei mir vorbei hörst.
00:00:51: Und falls du das erste Mal hier bist, darf ich mich kurz vorstellen.
00:00:55: Ich bin Friedrich Kalpenstein, Autor der Herbert-, Prost- und Salute-Reihe.
00:01:03: In diesem Podcast geht's um Schreiben.
00:01:06: Ich erzähle dir aus meinem Leben als Autor und natürlich ein bisserl darüber hinaus.
00:01:11: Am Ende beantworte ich dann gerne immer ein paar Fragen, die ihr mir gestellt habt über podcast@kalpenstein.de.
00:01:21: An dieser Stelle möchte ich nochmals erwähnen, dass die Tipps, die ich dir in diesem Podcast gebe, meine Erfahrungen sind, die ich gemacht habe.
00:01:30: Dinge, die bei mir funktioniert oder eben nicht funktioniert haben.
00:01:33: Und das kann natürlich bei dir ganz anders sein.
00:01:37: Nimm also das, was ich dir hier in diesem Podcast erzähle, gern als Hilfestellung oder Anregung und probiere einfach aus, was dir zusagt oder was du dir selbst vorstellen kannst.
00:01:52: Du möchtest also ein Buch schreiben und bestimmt weißt du auch schon, in welchem Genre du nun schreiben willst und hast auch schon ein Exposé zu deinem ersten eigenen Roman erstellt.
00:02:03: Dazu hast du nebenbei vielleicht auch schon einen kleinen Figurenkatalog begonnen und weißt nun, ob und wie deine Geschichte funktioniert und hast mit Sicherheit dann auch schon den Rahmen der Handlung abgesteckt.
00:02:16: Wenn du jetzt an diesem Punkt angelangt bist, dann hast du schon wahnsinnig viel erreicht.
00:02:21: Denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass eine gute Vorarbeit für einen Roman die halbe Miete ist.
00:02:28: Sie schützt dich davor, dass du dich mittendrin nicht verrennst.
00:02:32: Und hier gerne ein paar Beispiele, die mir im Laufe der letzten zehn Jahre schon passiert sind.
00:02:45: Klassiker bei mir.
00:02:47: Protagonisten duzen sich zu Beginn des Romans und auf Seite achtzig sind sie dann plötzlich wieder per sie.
00:02:53: Oder, die Hauptfigur kommt auf Seite zwanzig nach Hause, betritt den Flur und begibt sich nach links ins Wohnzimmer,
00:03:03: und auf Seite einhundert befindet sich das Wohnzimmer plötzlich auf der rechten Seite.
00:03:08: Dann wechselt eine Figur während des Romans vielleicht die Augenfarbe...
00:03:12: Bei Science Fiction ist das mit Sicherheit kein Problem und vielleicht sogar so für diese Figur gewollt,
00:03:18: aber bei einem Roman, der mitten in München spielt, ist es eher nicht so gut.
00:03:24: Ja, was hatte ich noch?
00:03:25: Das Baujahr eines Oldtimers hat sich schon einmal von einem zum anderen Kapitel verändert und so weiter.
00:03:31: Und welch ein Segen ist es dann, wenn das Lektorat oder Korrektorat diese Fehler rechtzeitig aufspürt?
00:03:39: Denn eines kannst du mir wirklich glauben.
00:03:42: Du kannst deinen Roman fünfmal durchlesen, bevor du das Manuskript abgibst.
00:03:47: Es wird dir nicht auffallen.
00:03:49: Vielleicht sehen wir die Fehler als Autoren auch nicht, die wir selbst fabriziert haben und es braucht einen neuen Blick von außen.
00:03:57: Und natürlich schleichen sich dennoch hin und wieder Kleinigkeiten in einen Roman ein, die erst den Leserinnen und Lesern auffallen, aber das ist einfach nur menschlich, also habe da keine Angst davor.
00:04:07: Doch du kannst die Fehlerquote weiter eindämmen, und zwar mit einer Writers Bible.
00:04:21: Die Writers Bible ist dein Backup für einen einzelnen Roman und noch viel mehr, wenn du eine Reihe beginnst.
00:04:28: Sie ist quasi das Herzstück deines Projekts, auf das du immer wieder zurückgreifen kannst.
00:04:34: Neben dem Plot gibt dir die Writers Bible die Sicherheit, den Überblick zu behalten.
00:04:40: Quasi ein Archiv für alles, was für deinen Roman von Bedeutung ist.
00:04:46: Seit meinem zweiten Roman gehe ich dafür immer nach dem gleichen Prinzip vor.
00:04:50: Die Writers Bible erstelle ich zum Beispiel in Word, auch wenn ich auf der Mac schreibe, da ich seit der Schulzeit Word einfach gewöhnt bin.
00:04:58: Auch wenn dieses Programm nicht immer rund auf eine Mac läuft, ist es hin und wieder ein bisschen ärgerlich, aber das ist eine andere Geschichte.
00:05:07: Nimm am besten das Programm, bei dem du dich gut aufgehoben fühlst.
00:05:12: Es gibt auch spezielle Schreibprogramme, das weißt du sicher, wie etwa Papyrus.
00:05:17: Oder du nimmst eine App, mit der du zum Beispiel eine Mindmap erstellen kannst.
00:05:21: Das ist vielleicht auch keine schlechte Wahl dafür.
00:05:24: Zu Beginn füge ich stets immer mein Exposé ein, das ich zuvor geschrieben habe.
00:05:30: Und daraus erstelle ich meist schon den Klappentext, der später auf dem Buchrücken und der Detailseite auf den Onlineportalen seinen Platz findet.
00:05:42: Den Klappentext, den erstelle ich deshalb schon zu diesem frühen Zeitpunkt, weil er sich im Lauf des eigentlichen Schreibprozesses immer wieder verändert, bis er zuletzt richtig gut passt.
00:05:53: Denn der Klappentext ist die erste Möglichkeit für dich, das Interesse der Leserinnen und Leser zu wecken, sich für deinen Roman zu entscheiden.
00:06:02: Also nicht ganz Unwichtig.
00:06:05: Danach folgt dann bei mir immer der Figurenkatalog.
00:06:09: Und da ich ein Serienschreiber bin, unterteile ich hier in zwei Kategorien.
00:06:14: Die eine bildet mein Stammpersonal, also das sind dann die Protagonisten, die in jedem weiteren Teil einer Reihe vorkommen werden und danach folgen dann die Figuren, die im jeweiligen einzelnen Roman ihr Gastspiel haben.
00:06:28: Meine Hauptfiguren sind in diesem Figurenkatalog natürlich intensiver beschrieben als die Protagonisten, die nur in einem einzelnen Roman erscheinen.
00:06:37: Die Vita, der Hauptprotagonisten, wächst bei mir von Teil zu Teil einer Reihe natürlich mit und verändert sich dann auch.
00:06:45: Ich vermerke z.B.,
00:06:47: wer sich duzt, also im besten Fall haben wir vorher gehört, klappt nicht immer so, oder wenn sich ein Beruf oder eine Beziehung zu einer anderen Person verändert.
00:06:56: Nicht nur ein Name, Beruf, Augenfarbe oder Alter lege ich hier für jede Figur fest, sondern auch deren Charakterzüge, was sie auszeichnet, ob sie quirlig, aggressiv oder gar vielleicht auch verschlossen wirken.
00:07:15: Hin und wieder kommt es auch vor, dass eine neue Person hinzukommt, die so interessant ist, dass sie zu den Stammprotagonisten wechselt und dann auch bleibt.
00:07:25: So wie zum Beispiel in meiner Prost-Reihe, da war es zuletzt der Florist namens Blumeningo.
00:07:31: Und als Bildquelle für diese Protagonisten nimmst du einfach Fotos, die du selbst zur Verfügung hast oder du suchst im Internet nach Portalen, die lizenzfreie Fotos anbieten.
00:07:43: In meiner Writers Bible findet man auch die Fahrzeuge meiner Protagonisten mit Daten wie Baujahr, Farbe oder PS, falls dies in einem Roman eine Rolle spielt.
00:07:54: Für die Salute-Reihe habe ich zum Beispiel auch Fotos von Schauplätzen am Gardasee hinterlegt, die ich selbst vor Ort gemacht habe.
00:08:01: Das ist natürlich ein großer Vorteil, wenn man die Möglichkeit hat, selbst an den Ort des Geschehens zu reisen.
00:08:06: Also Fotos von Cafés, Tatort, Marktplätzen und Anlegestellen rund um den Gardasee ... habe ich dort verewigt.
00:08:16: Ebenso Fotos von Booten und weiteren Fahrzeugen.
00:08:19: Also, am Gardasee fahren so schöne Autos herum.
00:08:23: Vom Fiat 500 bis Ape.
00:08:25: Ja, mein Zuckerbäcker, mein Konditor, der fährt eine rote Ape und von der gibt es natürlich auch ein paar Bilder.
00:08:34: Und da das italienische Polizeisystem auch etwas anders funktioniert als bei uns in Deutschland, ist es natürlich auch von Vorteil, hier ein paar Daten und Fakten zu vermerken.
00:08:44: Etwa auch die Reihenfolge der Dienstgrade, die ein Polizist in Italien während seiner beruflichen Laufbahn durchläuft.
00:08:52: Also, falls dein Roman in London spielt oder in Dänemark, Griechenland, wo auch immer, schau auf alle Fälle, dass diese Daten und Fakten wirklich stimmen und füge sie in deiner Writers Bible ein.
00:09:07: Es ist ganz wichtig, dass diese kleinen Feinheiten dann auch wirklich stimmen.
00:09:19: Natürlich habe ich in meiner Salute-Writers-Bible alles stehen, was ich über Kaffee finden konnte, damit mein Barista Paul Zeitler auch ordnungsgemäß seine Arbeit verrichten kann.
00:09:32: Ich kann jedenfalls sagen, dass sich auch die Writers Bible stetig verändert und mit deiner Geschichte wächst.
00:09:39: Und damit du eine Hausnummer hast, wie es bei mir aussieht ...
00:09:42: also für meine Salute-Reihe, das sind jetzt mittlerweile 64 DinA4-Seiten und ein Ende ist nicht abzusehen.
00:09:50: Ich werfe aber natürlich auch nichts weg oder sortiere da irgendwas aus, weil ich könnte es ja wirklich noch mal brauchen.
00:09:56: Und ich vermerke wirklich jede Kleinigkeit.
00:10:00: Und die Writers Bible, die gebe ich auch wirklich nur an meinen Verlag und Entwicklungslektor weiter.
00:10:06: Ich finde, sie ist etwas sehr Persönliches,
00:10:09: in die im Laufe der Zeit sehr viel Arbeit hineingeflossen ist.
00:10:14: Zugegeben, am Anfang eines neuen Romans oder einer neuen Reihe, ist eine Writers Bible wirklich reine Fleißarbeit und wahnsinnig zeitaufwendig, sie zu erstellen.
00:10:24: Aber im Umkehrschluss wird sie dich jedoch vor Fehlern bewahren und dir im Laufe der Zeit auch Sicherheit geben und am Ende des Tages dann eben auch sehr viel Zeit ersparen.
00:10:36: Ja, ich hoffe, ich konnte dich wieder etwas inspirieren und deine Fantasie beflügeln.
00:10:43: Und vielleicht fängst du ja jetzt sofort an, deine eigene Writers Bible zu erstellen.
00:10:48: Das würde mich sehr freuen.
00:10:49: Und glauben wir, es macht sehr viel Spaß.
00:10:52: Schreibt mir gerne unter podcast@kalpenstein.de, was bei dir funktioniert.
00:10:57: Und wenn du Fragen hast, kannst du sie mir ebenfalls über diese Mailadresse stellen.
00:11:02: Ich werde sie dann in einer der nächsten Folgen beantworten.
00:11:09: So wie zum Beispiel Johanna, die gerne wissen möchte, wie viele Stunden ich pro Tag schreibe.
00:11:17: Ja, also ich bin ein Frühaufsteher, sodass ich so zwischen sieben Uhr und sieben Uhr dreißig meine Schreibwerkstatt zum Leben erwecke.
00:11:25: Meist beginne ich dann damit, die Seiten vom Vortag zu lesen, damit ich so ein Flow komme und das macht auch viel Sinn. Vielleicht habe ich einen rechten Schmarrn geschrieben und dann kann man das ausbessern.
00:11:37: Und ja, man kommt einfach viel besser in die Geschichte rein und findet dann auch gleich den Anschluss.
00:11:43: Und es geht dann so weiter bis etwa elf Uhr, dann checke ich meist meine Emails und beantworte dann das eine oder andere.
00:11:50: Und wenn ich ganz fleißig bin, dann gibt es auch eine kleine Sporteinheit auf meinem Crosstrainer, damit ich mich wenigstens ein bisserl bewege.
00:11:59: Ja, dann wird geduscht, Mittag gegessen und dann geht es so weiter bis achtzehn oder neunzehn Uhr.
00:12:05: Also ich würde sagen, dass ich mittlerweile bei so acht oder neun Stunden reine Schreibzeit angekommen bin und für gewöhnlich bin ich so sechs Tage die Woche in meiner Schreibwerkstatt.
00:12:19: Neben dem Schreiben warten dann eben noch andere Aufgaben
00:12:22: auf mich, die ich sehr gerne selbst mache. Der Newsletter zum Beispiel benötigt natürlich auch etwas Zeit, Bildbearbeitung oder jetzt eben auch der Podcast.
00:12:32: Es sind alles wunderbare Möglichkeiten, kreativ zu sein.
00:12:36: Und ich würde auch behaupten, dass mein Autorenleben sehr abwechslungsreich ist.
00:12:41: Und da habe ich einfach mein Spaß dran.
00:12:43: Und das liegt natürlich aber auch daran, dass ich die meisten Sachen rund um meine Bücher eben auch dann gerne selbst in die Hand nehme.
00:12:51: Und so geschieht auch alles nach meiner eigenen Geschwindigkeit.
00:12:59: Die liebe Sigrid würde gerne noch wissen, ob der Podcast meinen Newsletter ersetzt.
00:13:05: Nein, liebe Sigrid, der Newsletter bleibt natürlich.
00:13:08: Er kommt gut an, ich hab viele Abonnenten und ermöglicht mir natürlich auch, auf wunderbare Art und Weise mit euch in Kontakt zu treten.
00:13:16: Und dort gibt's natürlich auch hin und wieder, was zu gewinnen.
00:13:20: Sollte ich vielleicht an dieser Stelle mal Werbung in eigener Sache machen, würde sich ja anbieten.
00:13:25: Freilich.
00:13:26: Warum nicht?
00:13:27: Auch du kannst dich gerne für meinen Newsletter auf meiner Webseite www.kalpenstein.de anmelden.
00:13:38: Dort gibt es hin und wieder etwas zu gewinnen oder auch Interviews mit meinen Protagonisten, Fotos, die ich geschossen habe oder auch ein paar Eindrücke von meinen Messebesuchen.
00:13:51: Brutal, oder?
00:13:52: Das hat ja wunderbar funktioniert.
00:13:54: Ich bin begeistert.
00:13:59: Weitere Fragen beantworte ich natürlich wieder in der nächsten Folge dieses Podcasts.
00:14:04: Schön war's wieder und ich hoffe natürlich, ich konnte dich auch diesmal wieder deinem Ziel, ein Buch zu schreiben, etwas näherbringen oder dich zumindest unterhalten.
00:14:13: Ich würde mich freuen, wenn du auch das nächste Mal wieder bei mir reinhörst und natürlich auch, wenn du meinen Podcast abonnierst, damit du nichts verpasst.
00:14:22: Servus und bis bald.
00:14:23: Seid's gut zueinander, weil, wenn's wir nicht sind, wer dann?
00:14:27: Euer Friedrich.
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