Klischees: Fluch oder Segen beim Schreiben?

Shownotes

In dieser Folge spreche ich offen über Klischees in Romanen – und warum sie vielleicht gar nicht so schlecht sind, wie ihr Ruf vermuten lässt. Ich teile meine Erfahrungen als Autor, erzähle von eigenen Begegnungen mit Vorurteilen und erkläre, wie Klischees Erinnerungen und Atmosphäre schaffen können. Mit Beispielen zeige ich, dass Authentizität manchmal gerade durch das Spiel mit Klischees entsteht. Außerdem beantworte ich spannende Hörerfragen rund um mein Autorenleben, Übersetzungen und die Idee einer Doku über meinen Alltag. Hör rein und finde heraus, wie ich Klischees gezielt einsetze, um Geschichten lebendig zu machen – und warum das manchmal genau das Richtige ist.

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00:00:00: Stellen wir uns vor, ein Roman spielt auf Norderney.

00:00:04: Es handelt sich um einen Liebes-Roman!

00:00:06: Es ist Herbst – die Protagonisten trinken hauptsächlich Champagner, treffen sich beim Italiener um die Ecke und die Hauptperson des Romans, geboren und aufgewachsen auf Norderney begrüßt alle anderen mit einem herzlichen Servus.

00:00:21: Würde es sich das nicht komisch anfühlen?

00:00:44: Servus und hallo, mein Name ist Friedrich Kalpenstein.

00:00:48: Ich bin Autor der Herbert-, Prost- und Salute-Reihe.

00:00:52: In diesem Podcast geht es ums Schreiben und ich erzähle dir aus meinem Leben als Autor und natürlich ein bisschen darüber hinaus.

00:01:00: Am Ende beantworte ich gerne wieder ein paar Fragen die mich erreicht haben. Und wie immer erwähne ich gerne an dieser Stelle, dass die Tipps, die ich dir in diesem Podcast gebe, meine Erfahrungen sind, die ich gemacht habe.

00:01:19: Dinge, die bei mir funktioniert oder eben nicht funktioniert haben.

00:01:23: Das kann bei dir selbstverständlich ganz anders sein.

00:01:26: Nimm also das was ich dir hier erzähle, gerne als Hilfestellung oder Anregung und probiere einfach aus, was dir zusagt oder was du dir vorstellen kannst!

00:01:40: Heute spreche ich mit dir über Klischees.

00:01:43: Sind es wirklich die Bösewichter, die über vielen Romanen schweben?

00:01:48: Die viele Leserinnen und Lesern zum Gänen bringen?

00:01:51: Oder sind es am Ende vielleicht doch nur alltägliche Gegebenheiten, die Orte und uns selbst ausmachen?

00:02:04: Sicher kennst du einige Klischees, die seit vielen Jahren existieren wie zum Beispiel: Die Bahn kommt immer zu spät oder beim Billy-Regal fehlen immer die Schnuppel für die Regalböden.

00:02:17: Auch immer wieder gern genommen: Handwerker kommen immer zu Spät – oder auch: Golf ist ein Alter-Leute-Sport!

00:02:25: Ich selbst fahre nicht oft Bahn vielleicht so viermal im Jahr, jedoch war ich bisher immer pünktlich am Ziel und in jungen Jahren habe ich ein paar dieser besagten Regale in mein Auto eingeladen und es waren immer genug Regal-Schnuppel.

00:02:39: wie sagt man eigentlich dazu?

00:02:41: Ich sag Schnuppel.

00:02:42: Es waren immer genug Schnuppel dabei und ich habe auch noch nie vergeblich auf einen Handwerker gewartet, der sich verspätet hätte.

00:02:50: Bin ich also nun ein Glückspilz oder ist dies ein Indiz dafür, dass etwas nicht zwingend richtiger wird,

00:02:57: nur weil man es ständig wiederholt!

00:03:00: Bei der Bahn allerdings hatte ich bestimmt bisher immer Glück. Denn, fragt man Bahnfahrer, die täglich darauf angewiesen sind, sieht die Welt sicher anders aus.

00:03:09: Klar, höhere Frequenz bringt auch höhere Chance für eine höhere Fehlerquote.

00:03:21: Beim Golfen allerdings kann ich vehement widersprechen!

00:03:24: Ich besitze seit vielen Jahren die Platzreife und wenn ich dann zum meinem Handicap gefragt werde sage immer: Ja habe ich - meine beiden Arme.

00:03:32: Ich würde wirklich sehr gerne mein Handicapt verbessern und auch liebend gerne mehr Golf spielen.

00:03:39: Leider komme ich viel zu selten dazu, was natürlich auch hinderlich für den Erfolg dabei ist.

00:03:45: Golf ist eben sehr zeitaufwendig und man muss besonders am Anfang dran bleiben!

00:03:50: Nicht jeder hat einen Golfplatz vor der Haustür so wie ich zum Beispiel, das in vielen Fällen dann auch bedeutet, dass man für den Hin- und Rückweg gerne mal ein, eineinhalb Stunden im Auto sitzt – die achtzehn Löcher benötigen nochmals mehrere Stunden bis man sie im besten Fall erfolgreich gespielt hat.

00:04:08: Das ist auch der Grund, weshalb dieser Sport sich wunderbar für den Ruhestand eignet und deshalb auch vermutlich dieses Bild entsteht.

00:04:16: Wer allerdings schon einmal auf einem Golfplatz war, da wird schnell erkennen, dass sich dort alle erdenklichen Altersgruppen tummeln – also ein Klischee das vermutlich von Menschen in die Welt gesetzt wurde, die vom Golf nur wissen - dass es ein Auto gibt, das so heißt!

00:04:31: Ich schweife ab….

00:04:32: aber das war mir jetzt wichtig.

00:04:37: Was sind eigentlich Klischees, die sich auf Romane beziehen?

00:04:41: Wenn ich mich in den verschiedenen Foren umsehe und mir auf Bewertungsportalen einzelne Meinungen durchlese, dann sind sie meist negativ behaftet.

00:04:50: Klischees gelten in der Welt der Bücher weitläufig als Indiz dafür, dass Autorinnen und Autoren an verschiedenen Stellen einer Geschichte nichts Besseres eingefallen ist.

00:05:00: Sie rufen oftmals kollektives Gähnen hervor und erwecken bei vielen das Gefühl, etwas schon tausendmal gelesen zu haben.

00:05:08: Aber sind Klischees wirklich so negativ zu betrachten oder ist die allgemeinherrschende Meinung darüber nicht auch irgendwie ein Klischee?

00:05:18: Ein Beispiel stellen wir uns vor, ein Roman spielt auf Norderney.

00:05:23: Es handelt sich um einen Liebesroman.

00:05:26: Es ist Herbst, die Protagonisten trinken hauptsächlich Champagner,

00:05:30: treffen sich beim Italiener um die Ecke und die Hauptperson des Romans, geboren und aufgewachsen auf Norderney, begrüßt alle anderen mit einem herzlichen Servus.

00:05:40: Würde es sich das nicht komisch anfühlen?

00:05:43: Was ist hier passiert?

00:05:45: War die Autorin oder der Autor überhaupt schon einmal auf Norderney oder wurde hier mit Hängen und Würgen versucht, jegliche Klischees meilenweit zu umschiffen?

00:05:55: Wäre es nicht richtiger, es gäbe Norderneyer Pils zur Scholle nach Finkenwerder Art in einer gehobenen Strandbude und zur Begrüßung schalt einem einfreundliches HE entgegen?

00:06:07: Am Ende des Romans der erste Kuss bei Sonnenuntergang – in einem Strandkorb!

00:06:12: Wir lesen vom Leuchtturm, Grünkohl mit Pinkel und Kassler, der Strandpromenade, Sanddornlikör, der wunderschönen Dünenlandschaft und nicht zuletzt vom Ostfriesentee.

00:06:28: Anderes Beispiel.

00:06:29: Sagen wir, ich schreibe einen Krimi der mitten in München spielt.

00:06:33: Die Kommissare stecken mittags die Köpfe bei einem leckeren Fischbrötchen zusammen, verabschieden sich mit einem Tschüss und im Biergarten am chinesischen Turm spielt Sonntagvormittag die Blaskapelle zwei Stunden lang Blues.

00:06:47: Wer schon einmal in München war, wird bei solchen Szenen nur den Kopf schütteln.

00:06:53: Auch ich bin natürlich hin und wieder in den letzten zehn Jahren bei Rezensionen zu meinen Büchern über das Wort Klischee gestolpert.

00:07:01: Und natürlich hinterfrage ich in solchen Fällen, in erster Linie mich selbst und meine Geschichten und wäge ab, ob ich etwas verändern könnte oder sogar sollte!

00:07:11: Besonders die Leberkässemmel triggert hin und wieder Leserinnen und Leser.

00:07:16: Nun….

00:07:16: Ich bin ein waschechter Bayer. Ich bin ja aufgewachsen,

00:07:19: und viele von euch wissen, dass ich den Beruf des Zahntechnikers erlernt habe. Und während meiner Lehrzeit bin ich vormittags zum Metzger gegangen um für alle Kolleginnen und Kollegen Leberkässemmeln zu besorgen.

00:07:32: Hin und wieder wollte der eine oder andere vielleicht eine Krustenbratensemmel, aber im Großen und Ganzen gibt es besonders auch bei Handwerkern zur Brotzeit in Bayern eine Leberkässemmel.

00:07:42: Freitags gern Weißwürste und Wiener und dazu eine Brezen ... an dieser Stelle, bitte!

00:07:48: Wo wir gerade so schön miteinander quatschen.

00:07:50: In Bayern heißt es Breze oder Brezn mit ZN, niemals Prezel.

00:07:58: Ebenso heisst das eine Maß Bier und kein Maas.

00:08:02: So nett wird es auch geklärt!

00:08:04: Wo war ich denn jetzt wieder stehen geblieben?

00:08:06: Ah ja beim Klischee. Und schon wieder schweift er ab der Kalpenstein.

00:08:10: Furchtbar ist das mit dem. Ich persönlich habe habe nichts gegen Klischees.

00:08:18: Ich finde Klischees wecken Erinnerungen und in vielen meiner Leserinnen und Lesern Urlaubsgefühle aus vergangenen Tagen.

00:08:26: Das spüre ich besonders bei meiner Salute-Reihe, die am wunderschönen Gardasee in Bardolino spielt!

00:08:45: Ich schreibe vom blühenden Yasmin, der überall an der Uferpromenade blüht und diesen herrlichen Duft versprüht, von Kaffee, Pizza, Pasta, wunderschönen Booten und vom Aperol Spritz natürlich, der immer noch getrunken wird, während man der Sonne dabei zusieht wie sie die glitzernde Wasseroberfläche berührt.

00:08:52: Und auch gibt's hin und wieder in meinen Romanen Urlauber in kurzen Sporthosen oder Tauben, die gurrend frühmorgens die Krümel der vergangene Nacht aufpicken – und es gibt knatternde Vespas und Kleinwagen deren Dunst in den Gassen auch noch Minuten später zu sehen und vor allen Dingen zu riechen ist!

00:09:11: All das sind Beobachtungen, die ich bei meinen Recherche-Reisen in die Region gemacht habe und an die sich viele Leserinnen und Leser, die ebenfalls schon einmal am Gardasee waren, gerne erinnern.

00:09:22: Und sie lösen nicht selten den Wunsch aus bald wieder diesen wunderschönen Ort zu besuchen!

00:09:29: Für mich sind Klischeese Erinnerungen Eigenschaften manchmal auch liebevolle Widerigkeiten, die Mensch und Region überall auf der Welt ausmachen.

00:09:38: Sie zu verändern, würde sie falsch darstellen und würde den Flair, den ich als Autor natürlich vermitteln möchte, im Keim ersticken.

00:09:46: So viel also zur Frage gibt es in Kalpenstein Romanen Klischees?

00:09:50: Ja!

00:09:51: Und das ist gut so... Wie siehst du das?

00:09:54: Mich würde sehr deine Meinung dazu interessieren.

00:09:57: Also, wenn du magst, dann schreib mir doch gerne unter podcast@kalpenstein.de.

00:10:02: Ich würd mich freuen!

00:10:03: Und natürlich kannst du mir jederzeit über diese Adresse Fragen zu meinem Autorenleben schicken oder was dich sonst so bewegt – ich beantworte Sie in einer der kommenden Folgen an genau dieser Stelle.

00:10:20: Christian möchte gerne wissen, ob es einmal eine Doku über mich und mein Schaffen als Autor geben wird.

00:10:27: Servus Christian!

00:10:28: Also vielen Dank schon mal für deine Frage.

00:10:30: Da weiß ich im ersten Moment gar nicht was sich darauf antworten soll.

00:10:33: Die Frage schmeichelt natürlich ungemein.

00:10:36: Ganz ehrlich, ich befürchte die Doku wäre vermutlich nach zehn Minuten vorbei.

00:10:42: Man würde mich sehen wie ich morgens in meine Schreibwerkstatt gehe und abends wieder raus.

00:10:47: Also im Ernst, ein bisschen mehr ist es natürlich schon, aber natürlich empfindet man das, was man selbst den ganzen Tag seit Jahren macht, nicht als übermäßig spannend.

00:10:56: Wobei ich mein Autorenleben natürlich als sehr erfüllend empfinde weil ich das Privileg habe, dass ich mir den ganzen Tag Geschichten ausdenken darf und es viele Menschen da draußen gibt die Spaß dran haben.

00:11:09: Da findet dann das Glück und die Freude an diesem täglichen Prozess natürlich mehr in mir selbst statt und es ist vielleicht nicht so spannend mir dabei zuzuschauen.

00:11:19: Gut, ich habe während meines Autorenlebens schon einiges erlebt und durfte interessante Menschen kennenlernen – die Messen sind zum Beispiel immer ein Highlight und natürlich nicht zuletzt das große Glück mit tollen Menschen zusammenarbeiten zu dürfen!

00:11:32: Die Begegnungen zum Beispiel mit Robert Frank und Helmfried von Lüttichau, die beide meine Hörbücher sprechen, waren und sind immer eine tolle Sache, die ich natürlich nicht missen möchte.

00:11:42: Dann die Treffen und Telefonate mit meinem Verlag, mit Werbeagenturen, die verantwortlich für meine Webseite sind oder die meine Buchtrailer erstellen – all das bereitet natürlich sehr viel Freude!

00:11:55: Und ganz viel Spaß macht es mir natürlich auch, die Trailer für meine Salute-Reihe selbst zu erstellen und zu schneiden.

00:12:01: Der Newsletter ist eine tolle Sache,

00:12:03: oder dieser Podcast!

00:12:05: Also Christian, jetzt wo wir zwei so drüber sprechen, also seine Doku wäre mit Sicherheit sehr interessant.

00:12:12: Anfragen bitte über podcast@kalpenstein.de.

00:12:15: Und keine Angst liebe Fernsehsender, ich habe keine Allüren ..., als fast nicht. Vielleicht ein bisschen, aber die sind nicht so schlimm.

00:12:28: Jens hat noch geschrieben, diese Frage deckt sich fast mit dir von Claudia und auch Sigrid hatte mich das schon einmal gefragt.

00:12:35: Wird es deine Bücher auch in einer anderen Sprache geben?

00:12:39: Die Salute-Reihe würde sich doch anbieten, sie ins Italienische zu übersetzen.

00:12:45: Ja also das wäre natürlich sehr schön lieber Jens. Und sicher ein weiterer Meilenstein in meiner Autorenkarriere.

00:12:51: Die Frage ist eben nur, welche Bücher eignen sich denn für Übersetzung in eine andere Sprache?

00:12:57: Sachbücher sind da mit Sicherheit prädestiniert dafür.

00:13:01: Liebesromane ebenfalls oder historische Romane, auch Krimis und Thriller, sind sicher geeignet dafür.

00:13:09: Bei mir ist es aber nun einmal so, dass ich sehr viel Lokalkolorit in meine Romane packe, gepaart mit einer Portion Humor.

00:13:16: Und da liegt vermutlich die Schwierigkeit.

00:13:19: Man müsste den Humor der jeweiligen Sprache anpassen und das natürlich auch auf eine Weise, dass diese Humor dann zum Beispiel auch in Italien funktioniert.

00:13:30: Und da die Menschen natürlich auch hierzulande Humor sehr unterschiedlich definieren, ist es sicher schwer damit in einem anderen Land den Nerv zu treffen.

00:13:39: Aber wie gesagt ..., also ich bin offen für alles und würde mich selbstverständlich freuen, wenn ich in Bardolino meine Romane in italienischer Sprache vorfinden würde.

00:13:50: Mit einer Lesung wird es halt ein bisschen schwer werden!

00:13:56: Aber da kommt mir eine Idee – wir könnten eine Doku machen wie ich einen meiner Romane, der ins Italienische übersetzt wurde, durch Bardolino trage.

00:14:05: Und dann trinke ich äußerst klischeebelastet, einen Aperol Spritz.

00:14:09: Während die Sonne untergeht, mit Sonnenbrand auf der Stirn natürlich und während des Abspanns sitze sich dann mit dem Filmteam am Bahnsteig und wir warten, weil der Zug Verspätung hat.

00:14:20: Macht aber nichts!

00:14:21: Weil... wir haben ja eine Lberkässemmel dabei.

00:14:24: Ach das wär's! So und weitere Fragen gibt es in der nächsten Folge

00:14:32: wenn es wieder heißt: Kalpiccino - Einfach quatschen.

00:14:37: Schön war's wieder mit dir und ich hoffe natürlich, ich konnte dich auch diesmal wieder deinem Ziel, ein Buch zu schreiben,

00:14:44: etwas näher bringen oder dich zumindest unterhalten!

00:14:47: Ich würde mich freuen wenn du auch das nächste Mal wieder bei mir reinhörst – und natürlich auch wenn du meinen Podcast abonnierst, damit du nichts verpasst.

00:14:56: Servus und bis bald!

00:14:57: Seids gut zueinander weil, wenns wir nicht sind, wer dann? Euer Friedrich.

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